„Sport für Alle“ – Stormarn ist Vorbild und der ATSV ist dabei

Markus Kratz und Gerd Wollesen (rechts) leiten die Inklusions- und Sportgruppe des Ahrensburger TSV. Foto H. Bagdassarian/HA.Von Henrik Bagdassarian

Das Projekt des Kreissportverbandes zur Inklusion und Integration ist in Deutschland einmalig. Bisher machen schon elf Vereine mit.

Ahrensburg. Inklusion – die meisten Menschen kennen den Begriff. Aber was genau steckt dahinter? Und welche Rolle spielt Inklusion im Sport? „Wenn möglichst viele Menschen an möglichst vielen Bereichen des Lebens teilnehmen, unabhängig der Religionszugehörigkeit oder eines geistigen oder körperlichen Handycaps, dann spreche ich von gelungener Inklusion“, sagt Markus Kratz vom Kreissportverband (KSV) Stormarn „Und gerade der Sport bietet die einmalige Gelegenheit, Inklusion bewusst zu leben, da jeder als Persönlichkeit wahrgenommen wird.“

Seit einem Jahr leitet der 27 Jahre alte Ahrensburger hauptamtlich das Projekt „Sport für Alle“ beim KSV. In Zusammenarbeit mit einigen Sportvereinen aus dem Kreis und Einrichtungen wie den Stormarner Werkstätten oder der Lebenshilfe Stormarn will der KSV mit dieser Maßnahme Menschen mit und ohne Behinderung zum Sport treiben motivieren.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt

Gemeinsam mit den Vereinen und Institutionen konzipiert Kratz zudem neue Angebote, um die Integration und Inklusion voranzutreiben. Zurzeit bieten elf Stormarner Vereine 19 inklusive Sportangebote an. In Deutschland ist dieses Projekt einmalig. „Bundesweit stecken wir quasi noch in den Kinderschuhen, was das Thema Inklusion im Sport betrifft“, sagt Manfred Wegner vom Kieler Institut für Sportwissenschaft. Er begleitet das auf drei Jahre angelegte Projekt. „Inklusionssport ist nicht zu verwechseln mit Behindertensport. Beim Inklusionssport steht für die behinderten und nicht behinderten Menschen das gemeinsame Erlebnis an erster Stelle“, sagt Wegner. „Ohne einen hauptamtlichen Leiter ist so ein Projekt allerdings in die Praxis nur schwer umzusetzen.“

Die Sparkassen-Stiftung Stormarn und die Sparkassen Sozialstiftung Stormarn setzten ein Zeichen. Sie unterstützen das Projekt mit 60.000 Euro im Jahr. „Wir möchten den KSV helfen, innerhalb von drei Jahren eine Struktur zu schaffen, die sich von allein trägt“, sagt Martin Lüdiger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Holstein.

Wichtiger Aspekt des Projekts: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt des Projekts. „Gewisse Sportangebote, die ich mit angekurbelt habe, müssen nach einer gewissen Zeit auch ohne mich laufen“, sagt Kratz. „Ich stehe zwar weiterhin mit Rat und Tat zur Seite, werde mich aber auf die Erweiterung des Sportangebots sowie die Fortbildung der Übungsleiter konzentrieren.“

Der 27-Jährige hat Freude an seiner Arbeit. „Menschen mit geistiger Behinderung strahlen eine enorme Lebensfreude aus, sobald ihnen etwas Spaß bringt“, sagt Kratz und lacht. „Andererseits haben sie auch keinerlei Probleme, offen zu zeigen, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt. Aber genau das ist das Spannende an dem Job.“

Angebot: Rollstuhl-Basketball, Handball, Leichtathletik

Gerd Wollesen vom Ahrensburger TSV zieht nach einem Jahr ebenfalls eine positive Bilanz. „Der Zulauf hat uns alle überrascht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. „Dennoch bin ich sicher, dass viele Menschen immer noch zu Hause sitzen und den Weg in einen Sportverein scheuen.“ Die Ahrensburger bieten eine Vielfalt an inklusiven Sportmöglichkeiten an. „Wir haben Rollstuhl-Basketball, Handball, Leichtathletik sowie unterhaltsame und spannende Bewegungsspiele im Programm“, sagt Wollesen. Nach den Osterferien startet der ATSV ein weiteres Angebot. „Aufgrund der großen Nachfrage werden wir in unserem Tanzhaus unter der Leitung eines qualifizierten Übungsleiters den Kursus ,Musik und Bewegung' anbieten“, so Wollesen.

In Kürze plant der KSV weitere Fortbildungen, um die Qualifizierung der Übungsleiter im Bereich Inklusion und Sport zu fördern, während der Kreisleichtathletikverband Stormarn mit seinem Projekt, Leichtathletik inklusiv' an den Start geht.

Inklusive Angebote:

Bieten in Stormarn inklusiven Sport an: Ahrensburger TSV, TSV Trittau, Hoisbütteler SV, SV Türkspor Bad Oldesloe, FC Voran Ohe, TSV Bargteheide, SG Stormarn Barsbüttel, VfL Oldelsoe, RV Trave, VC Bad Oldesloe, Schützenverein Klein Wesenberg.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Regionalausgabe Stormarn, vom 9. März 2017

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